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Conduit: Open WebUI nativ auf dem Smartphone

Wie sich das selbst gehostete KI-Setup dank Conduit in eine pfeilschnelle, native Smartphone-App verwandelt.

Conduit: Open WebUI nativ auf dem Smartphone

Dies ist der dritte Teil der Reihe um Nextcloud und KI: Wer seinen Kalender, seine Aufgaben und persönliche Dateien in einer selbst gehosteten Nextcloud verwaltet, zahlt täglich einen unsichtbaren Preis: der KI-Assistent auf dem Smartphone (Siri/Gemini) kennt diese Daten nicht - oder er lebt in den Rechenzentren eines Konzerns. Conduit, ein nativer Open-WebUI-Client für iOS und Android, schließt genau diese Lücke. Ist Open-Webui dann mit den anderen selbstgehosteten Diensten verbunden, entsteht ein vollwertiger, vollständig privater digitaler Sekretär - Sprachsteuerung inklusive.

Conduit - der native Open-WebUI-Client fürs Smartphone

Wer Open WebUI schon länger als lokale KI-Zentrale betreibt, kennt das Problem: Im Browser läuft alles wunderbar, unterwegs auf dem Smartphone ist man jedoch auf die unbefriedigende Progressive-Web-App angewiesen - oder man greift wieder zum Google Assistant, obwohl man eigentlich genau das vermeiden wollte.

Conduit ist die Antwort auf dieses Dilemma. Die App ist vollständig quelloffen (GPL-3.0), kostenlos und funktioniert als nativer Client direkt gegen die eigene Open-WebUI-Instanz. Das bedeutet: nichts geht über fremde Server, keine versteckten Telemetrie-Kanäle, keine Registrierung bei Drittanbietern. Verbindungsdaten und Zugangsdaten landen im iOS Keychain beziehungsweise im Android Keystore - nicht im Klartext auf dem Gerät.

Die App steht für Android 7.0+ und iOS 16.0+ zur Verfügung und ist mit Flutter gebaut, was sich in der Praxis durch ein natives Look-and-Feel äußert - Material-Design auf Android, Cupertino auf iOS. Das ist kein Detail am Rande: Wer schon einmal mit einer Flutter-App verglichen hat, die auf beiden Plattformen identisch aussieht, weiß den Unterschied zu schätzen.

Auf der Funktionsseite bietet Conduit alles, was man sich von einem hochwertigen KI-Client erwartet:

  • Streaming-Chat per WebSocket - auch lange Antworten bei schlechtem Netz
  • Voice Calls - Freisprechgespräche mit Live-Steuerelementen, ohne die Hände zu nutzen
  • Tool Calls - Server-seitige Werkzeuge werden inline angezeigt, inklusive Reasoning und Ergebnis
  • Datei-Anhänge - multimodale Prompts mit serverseitig gespeicherten Dateien
  • Share Sheet - Inhalte aus anderen Apps direkt in einen Prompt schieben
  • Authentifizierung - von einfachem Login bis hin zu SSO, OAuth, LDAP und Reverse-Proxy-Flows wie Authentik oder Cloudflare Tunnel

Letzteres ist für Self-Hoster besonders relevant: Wer sein Open-WebUI hinter einem Reverse Proxy mit Authentifizierung betreibt, findet in Conduit keinen Widerstand.

Open WebUI als lokale KI-Zentrale

Conduit ist - und das ist wichtig zu verstehen - nur ein Client. Er braucht eine laufende Open-WebUI-Instanz als Gegenstelle. Wer diese noch nicht betreibt, findet in meinem älteren Artikel zu Open WebUI und den vorangegangenen Artikeln dieser Reihe eine vollständige Einführung inklusive Docker-Setup. Im Kern läuft Open WebUI als Container und kommuniziert mit einem lokal laufenden Ollama-Dienst, der die eigentlichen Sprachmodelle vorhält.

Lokale KI im Handumdrehen installiert
Mit nur zwei Befehlen eine lokale KI starten. Ollama machts möglich.
Ollama-Optimierung: Umgebungs-Variablen, die wirklich zählen
Ollama schweigt über seine Standard-Defaults – und das kostet Kontext. Hier die vollständige Konfiguration für maximale Agenten-Leistung.
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Persönliche Informationen von einer KI verarbeiten lassen. Simpler geht es ja fast nicht mehr…

Serverseitige Voraussetzungen und Konfiguration

Damit die Kommunikation zwischen dem mobilen Endgerät und dem heimischen Server flüssig abläuft, müssen serverseitig ein paar kleine Weichen gestellt werden. Das Rückgrat der App bildet die Echtzeitkommunikation. Wenn Antworten auf dem Smartphone ins Stocken geraten oder gar nicht erst laden, liegt dies fast immer an blockierten oder deaktivierten WebSockets. Um dies zu verhindern, muss dem Docker-Container von Open WebUI eine spezifische Umgebungsvariable übergeben werden.

Die entsprechende docker-compose.yml lässt sich wie folgt optimieren:

# M. Meister - Open WebUI Setup mit WebSocket-Support für Conduit
services:
  open-webui:
    image: ghcr.io/open-webui/open-webui:main
    container_name: open-webui
    environment:
      # Essenziell für flüssiges, zeichenweises Streaming in Conduit
      - ENABLE_WEBSOCKET_SUPPORT=true 
      - OLLAMA_BASE_URL=http://host.docker.internal:11434
    ports:
      - "3000:8080"
    volumes:
      - open-webui-data:/app/backend/data
    restart: unless-stopped

volumes:
  open-webui-data:

Nach der Anpassung der Datei wird der Container neu gestartet, um die Änderungen wirksam zu machen. Ein kurzer Blick in die Logs stellt sicher, dass der Dienst fehlerfrei hochfährt.

# M. Meister - Container neu aufbauen und Logs prüfen
docker compose up -d
docker logs -f open-webui

Der Praxistest - Sprachbefehl trifft Kalender

Mit diesen Anpassungen im Gepäck zeigt sich, wozu die Kombination aus Conduit und Open WebUI. Eine Sprachanfrage über die Conduit-App - "Welche Termine habe ich diese Woche?" - landet als Text bei der lokalen KI, die get_calendar_events aufruft, die Ergebnisliste filtert und eine strukturierte Antwort zurückliefert. Alles innerhalb der eigenen Infrastruktur. Wie man seine Nextcloud an Open-Webui anbindet, habe ich bereits in den vorangegangenen Artikeln beleuchtet.

Nextcloud in Open WebUI integrieren
So wird die lokale KI mit Zugriff auf den eigenen Nextcloud-Kalender zum perfekten Sekretär.
Automatische Wissens-Updates in Open-WebUI
So wird die Open WebUI Knowledge Base automatisch mit dem lokalen Dateisystem synchronisiert

Neue Termine lassen sich genauso per Sprache oder Text anlegen - "Trage morgen um 10 Uhr einen Arzttermin ein" - und erscheinen innerhalb von Sekunden im Nextcloud-Kalender auf dem Bildschirm des eigenen Laptops. Der klassische Google-Assistant-Workflow ist damit vollständig repliziert, nur dass diesmal kein Datenpunkt das eigene Netz verlässt.

Die Sprachsteuerung via Conduit gibt dem Ganzen dabei die entscheidende Alltagstauglichkeit: Wer die Hände nicht frei hat oder gerade nicht tippen möchte, spricht einfach - und die KI antwortet mit Sprache zurück. Das macht Conduit zum würdigen Ersatz für cloud-gebundene Assistenten.

Fazit

Mit Conduit als mobilem Frontend, Open WebUI als lokalem KI-Backend und der Anbindung zur eigenen Nextcloud entsteht ein KI-Assistent, der weder Google noch irgendeinen Cloud-Konzern benötigt. Die nötigen Anpassungen sind überschaubar, der Gewinn an digitaler Souveränität dafür umso größer. Wer seine persönlichen Daten schon selbst hostet, hat jetzt auch einen Assistenten, der sie kennt.