Warum Firmen aus der Cloud zurück kommen

Unternehmen sind gefordert, ihre IT-Strategie im Sinne der digitalen Souveränität zu überdenken

Warum Firmen aus der Cloud zurück kommen
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Angesichts der zunehmenden Abhängigkeit von Cloud-Diensten und der damit verbundenen Herausforderungen im Bereich Datenschutz und Datensicherheit, ist es unerlässlich, sich mit den Aspekten der digitalen Souveränität auseinanderzusetzen. Dieser Artikel beleuchtet die Gründe, warum Unternehmen ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen Diensten überdenken und alternative Strategien in Betracht ziehen sollten, um ihre digitale Souveränität zu stärken.

Man stelle sich einfach nur kurz die Frage: Was würde passieren, wenn eine neue amerikanische Regierung plötzlich per Dekret seine Dienstleistungen für das Ausland einstellt? Was würde das europäische Militär ohne amerikanische Satelliten noch sehen können? Blind und taub wäre man absolut hilflos.

Was bedeutet Digitale Souveränität?

Digitale Souveränität beschreibt die Fähigkeit einer Organisation oder eines Staates, die volle Kontrolle über seine digitale Infrastruktur, Daten und Prozesse zu haben. Im Kontext von Unternehmen bedeutet dies, dass diese in der Lage sein sollten, selbstbestimmt über ihre IT-Systeme und Daten zu entscheiden, ohne unkontrolliert von externen Einflüssen abhängig zu sein. Dies umfasst Aspekte wie Datensicherheit, Datenschutz, aber auch die freie Wahl von Technologien und Dienstleistern. Digitale Souveränität ist somit ein wichtiger Faktor für Wettbewerbsfähigkeit und Innovationsfähigkeit, da sie Unternehmen ermöglicht, ihre Geschäftsstrategien unabhängig zu verfolgen und sensible Informationen zu schützen.

Die Risiken US-amerikanischer Cloud-Dienste

Die Nutzung von Cloud-Diensten großer US-amerikanischer Anbieter bietet zweifellos viele Vorteile, birgt aber auch erhebliche Risiken im Hinblick auf digitale Souveränität. Ein zentrales Problem stellt der sogenannte CLOUD Act (Clarifying Lawful Overseas Use of Data Act) dar. Dieses US-Gesetz erlaubt es US-Behörden, Zugriff auf Daten zu verlangen, die von US-amerikanischen Unternehmen gespeichert werden – und zwar unabhängig davon, wo diese Daten physisch liegen. Dies bedeutet, dass selbst wenn Daten eines europäischen Unternehmens in einem europäischen Rechenzentrum eines US-Anbieters gespeichert sind, US-Behörden unter Umständen Zugriff darauf erhalten können, ohne dass europäische Gesetze oder Datenschutzbestimmungen dies verhindern könnten.

Diese Problematik wird durch weitere US-Gesetze wie den FISA (Foreign Intelligence Surveillance Act) noch verstärkt. Diese Gesetze können zu einem Konflikt mit europäischen Datenschutzgesetzen wie der DSGVO führen. Deutsche Unternehmen, die US-Cloud-Dienste nutzen, müssen sich daher bewusst sein, dass ihre Daten potenziell dem Zugriff durch US-Behörden ausgesetzt sind, was erhebliche rechtliche und wirtschaftliche Risiken mit sich bringen kann.

Der CLOUD Act und seine Auswirkungen

Der CLOUD Act ist ein US-amerikanisches Gesetz, das im Jahr 2018 in Kraft getreten ist. Es erweitert die Befugnisse von US-Behörden, den Zugriff auf elektronische Kommunikationsdaten zu erzwingen, die von US-amerikanischen Unternehmen kontrolliert werden, unabhängig davon, wo sich die Daten physisch befinden. Dies bedeutet, dass US-Behörden von Unternehmen wie Microsoft, Google oder Amazon die Herausgabe von Daten verlangen können, selbst wenn diese Daten in Rechenzentren außerhalb der USA, beispielsweise in Europa, gespeichert sind.

Für europäische Unternehmen, die auf Cloud-Dienste von US-Anbietern setzen, hat dies gravierende Konsequenzen. Sie müssen sich bewusst sein, dass ihre Daten potenziell dem Zugriff durch US-Behörden unterliegen, selbst wenn sie europäische Datenschutzstandards einhalten. Dies kann zu einem Konflikt mit der DSGVO und anderen europäischen Datenschutzgesetzen führen und das Vertrauen von Kunden und Partnern in die Datensicherheit des Unternehmens untergraben. Zudem besteht die Gefahr von Rechtsstreitigkeiten und empfindlichen Strafen, wenn Unternehmen aufgrund des CLOUD Acts gezwungen sind, Daten an US-Behörden herauszugeben, was gegen europäische Gesetze verstößt.

Europäische Alternativen und Lösungsansätze

Angesichts der beschriebenen Risiken ist es für europäische Unternehmen ratsam, sich nach europäischen Alternativen zu US-amerikanischen Cloud-Diensten umzusehen und ihre IT-Strategie im Sinne der digitalen Souveränität neu auszurichten. Glücklicherweise gibt es in Europa eine wachsende Zahl von Cloud-Anbietern, die datenschutzkonforme und sichere Lösungen anbieten. Diese Anbieter unterliegen europäischem Recht und sind somit nicht dem CLOUD Act oder ähnlichen US-Gesetzen verpflichtet. Die Wahl europäischer Anbieter kann dazu beitragen, die Abhängigkeit von US-amerikanischer Technologie zu reduzieren und die Kontrolle über die eigenen Daten zu stärken.

Neben kommerziellen Anbietern spielen auch Open-Source-Lösungen eine wichtige Rolle bei der Stärkung der digitalen Souveränität. Open-Source-Software ermöglicht es Unternehmen, die Technologie selbst zu verstehen, anzupassen und zu kontrollieren, anstatt sich auf proprietäre Lösungen von Anbietern zu verlassen. Durch den Einsatz von Open-Source-Komponenten und -Plattformen können Unternehmen ihre IT-Infrastruktur unabhängiger gestalten und das Risiko von ungewolltem Datenabfluss oder unbefugtem Zugriff minimieren.

Initiativen wie Gaia-X zielen ebenfalls darauf ab, eine europäische Cloud-Infrastruktur zu schaffen, die auf den Prinzipien der Datensouveränität und Interoperabilität basiert. Gaia-X soll einen Rahmen für vertrauenswürdige und sichere Datenaustausch- und Cloud-Dienste in Europa schaffen und Unternehmen dabei unterstützen, ihre digitale Souveränität zu stärken.

Schritte zur Erlangung digitaler Souveränität

Um die digitale Souveränität im Unternehmen zu stärken, können verschiedene konkrete Schritte unternommen werden:

  1. Analyse der aktuellen IT-Infrastruktur: Zunächst sollte eine umfassende Analyse der bestehenden IT-Systeme und Cloud-Dienste durchgeführt werden, um den Grad der Abhängigkeit von US-amerikanischen Anbietern zu ermitteln.
  2. Bewertung von Risiken und Abhängigkeiten: Im nächsten Schritt sollten die identifizierten Abhängigkeiten hinsichtlich der Risiken durch den CLOUD Act und andere US-Gesetze bewertet werden.
  3. Suche nach europäischen Alternativen: Es gilt, aktiv nach europäischen Cloud-Anbietern und Open-Source-Lösungen zu suchen, die datenschutzkonforme und sichere Alternativen zu US-Diensten bieten.
  4. Pilotprojekte und Migration: Durch Pilotprojekte können europäische Alternativen getestet und evaluiert werden, bevor eine schrittweise Migration von US-Diensten zu europäischen Lösungen erfolgt.
  5. Förderung von Open-Source: Die Implementierung und Nutzung von Open-Source-Software sollte verstärkt gefördert werden, um die Unabhängigkeit und Kontrolle über die eigene IT zu erhöhen.
  6. Sensibilisierung und Schulung der Mitarbeiter: Mitarbeiter sollten für die Thematik der digitalen Souveränität sensibilisiert und geschult werden, um ein Bewusstsein für datenschutzkonformes Verhalten und die Bedeutung europäischer Lösungen zu schaffen.
  7. Berücksichtigung von Gaia-X: Unternehmen sollten die Entwicklungen rund um die Gaia-X Initiative verfolgen und prüfen, inwieweit Gaia-X-konforme Dienste und Infrastrukturen für ihre Bedürfnisse geeignet sind.

Durch die Umsetzung dieser Schritte können Unternehmen ihre digitale Souveränität schrittweise stärken und ihre Abhängigkeit von US-amerikanischen Diensten reduzieren, um so ihre Datensicherheit und Wettbewerbsfähigkeit langfristig zu sichern.

Fazit

Digitale Souveränität ist für europäische Unternehmen ein entscheidender Faktor, um ihre Daten zu schützen, rechtliche Risiken zu minimieren und ihre Wettbewerbsfähigkeit zu erhalten. Die Abhängigkeit von US-amerikanischen Cloud-Diensten birgt aufgrund von Gesetzen wie dem CLOUD Act erhebliche Risiken, die durch den Einsatz europäischer Alternativen und Open-Source-Lösungen reduziert werden können. Unternehmen sind gefordert, ihre IT-Strategie im Sinne der digitalen Souveränität zu überdenken und aktiv Maßnahmen zu ergreifen, um ihre Unabhängigkeit und Datensicherheit zu stärken.