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Warum deine Daten nicht mehr Microsoft gehören müssen

Freie Alternativen sind heute so weit, dass der Umstieg eher Geschmackssache als Technikfrage ist.

Warum deine Daten nicht mehr Microsoft gehören müssen

Die Abhängigkeit von Microsoft, Apple und Google ist kein Naturgesetz mehr. Freie Alternativen sind inzwischen so weit gereift, dass der Umstieg vor allem eine Frage des Geschmacks und der Gewohnheit ist. Weil viele dieser Dienste US-Unternehmen gehören, lohnt ein genauer Blick darauf, wer im Zweifel Zugriff bekommt.

Inhaltsverzeichnis

    Warum der Zeitpunkt günstig ist

    Lange galt der Ausstieg als Projekt für Leute mit Keller-Server und Hang zur Bastelei. Das hat sich verschoben. Auf dem 39C3 wurde der Digital Independence Day ausgerufen, und das Thema erreicht inzwischen Leute, die nie ein Terminal geöffnet haben. Wer seine Daten bei einem Anbieter in einem anderen Rechtsraum ablegt, hängt allerdings an dessen Entscheidungen und an den Gesetzen seines Landes. Das ist die eigentliche Schwachstelle, egal wie gut die Verschlüsselung klingt.

    39C3: Digital Independence Day – CCC-Sprecher über Weg raus aus Big Tech
    Auf dem Hackerkongress 39C3 wurde der Digital Independence Day ausgerufen. Warum und was das bedeutet, erklärt CCC-Sprecher Linus Neumann im Interview.

    Was sich heute ersetzen lässt

    Die Liste ist länger, als viele vermuten. Die Tabelle im meinem Basis-Artikel führt Ersatz für Windows, Google Photos, Google Drive oder Google Maps auf. Für den Büroalltag decken LibreOffice und die Office-Funktionen von Nextcloud den größten Teil ab.

    Bessere Alternativen zu US-Big-Tech
    Warum Ihre digitale Unabhängigkeit wichtig ist Wenn man Menschen vorschlägt, ihre digitalen Gewohnheiten zu ändern und auf datenschutzfreundliche Alternativen umzusteigen, erntet man oft ein müdes Lächeln. Die Reaktionen sind fast immer dieselben: "Warum sollte ich mir die Mühe überhaupt machen? Die haben doch eh schon alles von mir. Außerdem macht

    Wer sich einen alten Laptop als sparsamen Server an seine Fritzbox klemmt, findet in Nextcloud einen sicheren Ort für Kalender, Kontakte und Dateien. Und das ist heute - im Zeitalter der KI - eine Leichtigkeit geworden.

    Today is Digital-Independence-Day: How far I’ve come
    Today we are surrounded by a multitude of online services designed to make our lives easier. From communication via social media to organizing our appointments and finances, everything takes place in the clouds of large tech companies. However, anyone who delves into the topics of data protection, privacy, and autonomy

    Beim Messenger führt Signal oder ein selbst betriebener Matrix-Server weiter. Ein Wechsel zu Telegram ist keine echte Verbesserung, wie mein Beitrag zu Telegram zeigt.

    Kreativprogramme: ArtCraft statt Adobe

    Mit ArtCraft ist seit Oktober eine freie Kreativsuite verfügbar, die sich an bekannten Adobe-Werkzeugen orientiert. Zur Familie gehören PhotoCraft für Bildbearbeitung, VectorCraft für Vektorgrafik, FilmCraft für den Videoschnitt, LightCraft für RAW-Entwicklung, PdfCraft für PDF-Dateien, EffectCraft für Motion Graphics und DesignCraft für das Seitenlayout. Die Programme werden als Clean-Room-Implementierungen entwickelt, also ohne Adobe-Quellcode, und laufen nativ unter Linux, Windows und macOS. Aufgrund der gewählten Programmiersprache fühlt sich der Umgang mit den Programmen unter Linux deutlich flinker an, als die Vorbilder von Adobe.

    ArtCraft bringt die Adobe-Idee nach Linux
    ArtCraft portiert eine freie Kreativsuite mit sieben nativen Open-Source-Programmen auf Linux/Mac/Windows.

    In meinem Test unter Linux ließ sich PhotoCraft mit einem einzigen Befehl installieren. Die Vorschau z.B. des Füll-Werkzeugs reagiert in Echtzeit, anders als bei Photoshop, Gimp oder Krita. Interessant wird das Projekt zusätzlich dadurch, dass ein lokaler KI-Agent damit Bildbestände sortieren und Anpassungen ausführen könnte, ohne dass die Dateien eine Cloud erreichen müssen.

    Der Desktop als Geschmacksfrage

    Hier liegt der eigentliche Gewinn. Wer sich vom Windows-Look verabschiedet, kann selbst entscheiden, ob der Rechner wie ein aufgeräumtes Werkzeug oder wie ein Kontrollzentrum aussehen soll. KDE, GNOME oder Hyprland unterscheiden sich vor allem in Bedienlogik und Optik. Die Datenhoheit hängt weniger von der Oberfläche ab als davon, welche Software installiert ist und wo die Daten liegen. Eine Distribution wie Kubuntu oder CachyOS nimmt den Einstieg weitgehend ab. Wie der Umstieg auf Linux früher ausgesehen hat, habe ich bereits beschrieben. Das ist allerdings kein Vergleich mehr zum heutigen Stand.

    Umstieg auf Linux
    Linux vs. Windows: Freiheit oder Bequemlichkeit?

    Konfiguration an die KI abgeben

    Ein Beispiel liefert Omarchy, eine Arch-basierte Distribution mit Hyprland. Sie bringt einen Agenten-Skill mit, der Konfigurationen anpasst. Im Test wollte ich einfach nur ein bestimmtes Programm nutzen können. Alles nötige übernahm die KI im Hintergrund und meldete lediglich zurück, dass alles erledigt sei. Der Auftrag wurde dabei in natürlicher Sprache formuliert, ohne dass man irgendwelche Programmquellen kennen musste.

    Viel besser als Windows: Arch Linux konfiguriert sich komplett selbst
    Digitale Souveränität trifft Komfort: Systemkonfiguration per lokalem Agenten.

    Natürlich gibt es Grenzen, wenn man keine Daten mehr in die Cloud entweichen lassen will. Kleinere KI-Modelle setzen den Skill weniger zuverlässig um, weshalb sich der Plan-Modus empfiehlt, in dem man die vorgeschlagenen Änderungen vor der Ausführung sieht. Mit omarchy reinstall configs lassen sich vom Agenten verursachte Änderungen zurücksetzen. Es ist so aber extrem einfach, seinen Drucker einrichten zu lassen, oder das E-Mail-Postfach zu konfigurieren.

    New Outlook: The End of Email Privacy?
    Logs verify that the new Outlook client transmits raw IMAP passwords to Microsoft servers.

    Bei E-Mail-Konten bei Dritten sollte man genau hinschauen, wer die Zugangsdaten zu sehen bekommt. Der neue Outlook-Client gilt als warnendes Beispiel, weil er Zugangsdaten an Microsoft überträgt. Selbst wenn es Zugangsdaten von Google oder Apple sind. Sicherlich haben es die meisten Windowsnutzer bereits gehört, dass Outlook alle Zugangsdaten zu den privaten Postfächern nach Redmont kopiert in Form von [Nutzername]/[Klartext-Passwort]/[Mailserver - z.B. @t-online-de]. Viele Firmen haben daher die Nutzung von Outlook untersagt, weil die Weitergabe von Passwörtern gegen den Arbeitsvertrag verstößt und möglicherweise eine sofortige Abmahnung nach sich zieht.

    Android: GrapheneOS als Alternative

    Auf dem Smartphone ist Android die größte Baustelle. GrapheneOS basiert auf dem Android Open Source Project, entfernt aber den privilegierten Zugriff der Google Play Services. Google Play lässt sich optional als gewöhnliche App in einer Sandbox betreiben. Leider funktionieren aktuell die meisten großen deutschen Banking-Apps, kontaktloses Bezahlen über Google Pay noch nicht. Als Alternativen sind PayPal oder die NFC-Angebote der Sparkassen bereits voll unterstützt.

    Bisher lief GrapheneOS ausschließlich auf Google-Pixel-Geräten. Im März 2026 kündigten Motorola und die GrapheneOS Foundation auf dem Mobile World Congress eine langfristige Partnerschaft an. Die ersten Motorola-Geräte mit offizieller Unterstützung sollen 2027 erscheinen. Ältere Modelle werden nicht portiert, weil ihre Hardware die Anforderungen nicht erfüllt. GrapheneOS wird also eine Option auf ausgewählten Geräten und keine Standardeinstellung für die ganze Motorola-Palette. Bei Apple hat man hier leider keine Alternative. Alle Daten müssen in die USA.

    Motorola ersetzt Android teils durch GrapheneOS, liefert bald Smartphones mit Privatsphäre-Fokus aus
    Motorola-Smartphones könnten für Nutzer mit hohen Anforderungen an Privatsphäre- und Datenschutz künftig deutlich interessanter werden, denn in Zukunft sollen die Smartphones des Herstellers auch mit dem Open-Source-Betriebssystem GrapheneOS angeboten werden.

    Warum die USA hier eine Rolle spielen

    Der Knackpunkt ist die Rechtslage. Microsoft unterliegt dem US CLOUD Act und muss Daten herausgeben, auch wenn sie in europäischen Rechenzentren liegen. Eine „EU-Datengrenze“ schützt deshalb nur so weit, wie kein US-Recht dagegensteht. Das betrifft nicht nur Cloud-Speicher. Sogar die Schlüssel zur Laptop-Festplattenverschlüsselung bei Windows-Standardeinstellungen liegen bei Microsoft. Wer glaubt, eine verschlüsselte Festplatte sei damit automatisch privat, irrt.

    Die politische Komponente kommt dazu. Ob sich Gesetze ändern oder ein Konto von heute auf morgen gesperrt wird, lässt sich nicht vorhersagen. Die Fälle, in denen automatische Sperren Nutzer von ihren Daten abschneiden, zeigen, dass schon ein Fehlalarm reicht.

    Sicherheitsexperten warnen vor Windows
    Seit der Einführung von Windows 10 erregen sich die Gemüter der Experten. Geht es meistens um rechtliche und Datenschutztechnische Bedenken, zerbrechen sich die technisch orientierten Spezialisten den Kopf über die folgenden Zusammenhänge: Windows läuft nur mit einer gültigen Lizenz. Diese muss spätestens alle 186 Tage online aktualisiert werden. Das Betriebssystem

    Die Einreise in die USA

    Seit Januar 2026 gilt bei der US-Grenzbehörde CBP eine neue Direktive mit zwei Stufen. Laut Dr. Web darf ein Beamter bei der einfachen Durchsuchung Fotos, Nachrichten und Dateien ohne konkreten Verdacht ansehen. Die erweiterte Durchsuchung, bei der Inhalte kopiert und analysiert werden, setzt einen begründeten Verdacht und die Zustimmung eines Vorgesetzten voraus. Wer sein Gerät nicht entsperren will, riskiert nach CBP-Angaben die Einreise, und Geräte dürfen einbehalten werden. Besonders heikel ist das für Reisende mit ESTA oder Visum, wie der Tagesspiegel betont.

    Einreise in die USA: Sollte ich mein Smartphone besser zu Hause lassen?
    Die USA verschärfen die Kontrollen an den Flughäfen. Grenzbeamte dürfen Smartphones und Laptops einbehalten. Welche Regeln gelten – und was Reisende beachten müssen.

    Ein Fall aus Atlanta zeigt, wie aufgeladen das Thema ist. Laut Anklage hat ein US-Bürger im Januar 2025 am Flughafen eine Funktion von GrapheneOS genutzt, die Daten gelöscht hat (durch Eingabe einer geheimen Lösch-PIN), bevor Grenzbeamte darauf zugreifen konnten. Die Verteidigung bestreitet, dass die Durchsuchung rechtmäßig war, wie Golem berichtet. Der Fall zeigt, dass technische Mittel die rechtliche Frage nicht ersetzen.

    Auch öffentlich sichtbare Beiträge in sozialen Netzwerken können relevant werden. Die US-Behörden dürfen öffentlich zugängliche Social-Media-Daten durchsuchen, wie KPMG Law berichtet.

    Handy-Kontrollen bei der Einreise in die USA: So verhalten Sie sich richtig
    Bei der Einreise in die USA finden verstärkt Handy-Kontrollen statt. Reisende sollten auf ihr Social-Media-Verhalten achten.

    Was man vor der Reise bedenken kann

    Eine vollständig verschlüsselte Festplatte schützt vor Zugriffen, bei denen das Gerät zur Nutzung entsperrt sein muss. Laut Futurezone scheitern viele forensische Methoden bei ausgeschalteten Geräten. Unter Windows ist das wegen der Schlüssel bei Microsoft heikel, unter Linux mit LUKS ist die Lage klarer.

    Wird mein Handy bei der US-Einreise durchsucht?
    US-Grenzbeamte haben weitreichende Befugnisse und können einem die Einreise verweigern. Wir erklären, wie man sich selbst und die eigenen Geräte auf den Grenzübertritt vorbereiten kann.

    Außerdem lohnt es sich, vorab zu überlegen, welche Daten man wirklich mitnimmt. Papierkopien von Reiseplänen, Buchungen und Adressen reichen oft aus. Für konkrete Fragen zur Einreise sind das Reiseportal des US-Außenministeriums und im Zweifel eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Ausländerrecht die bessere Anlaufstelle.

    Fazit

    Es gibt aktuell scheinbar mehr Gründe sich aus US-Big-Tech zu befreien, als es weiterhin zu nutzen. Der Umstieg muss schließlich nicht auf einen Schlag passieren. Wer Dateien, Mail, Kommunikation und Smartphone nach und nach auf offene Software oder eigene Systeme (Laptop oder NAS an der eigenen Fritzbox) verlagert, verliert wenig und gewinnt Kontrolle. Die USA-Reise zeigt, dass Datenhoheit auch ganz praktische Folgen hat.